Bad Windsheimer Erklärung der Europäischen Metropolregion Nürnberg (EMN)
Beschlossen vom Rat der EMN am 07.11.2007
Die Metropolregion Nürnberg ist ein freiwilliger Zusammenschluss von 33 Gebietskörperschaften im nordbayerischen Raum zum Zwecke der verstärkten Kooperation. Ziele sind die Stärkung der Metropolfunktionen, das gemeinsame internationale Standortmarketing, die Mitgestaltung in Europa und der Ausbau der innerregionalen Verflechtung. Durch die Zusammenarbeit wird die regionale Willensbildung von Akteuren aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und weiteren gesellschaftlichen Akteuren fortentwickelt. Die EMN versteht sich als regionale Verantwortungsgemeinschaft.
1. Gleichwertige Lebensverhältnisse stehen für uns als Ziel und Maßstab des Handelns im Mittelpunkt unserer Aktivitäten und sind für die EMN die Basis der Verantwortungsgemeinschaft.
2. Die räumliche Struktur der EMN ist polyzentral, d. h. neben den Großstädten gibt es eine Vielzahl von Zentren unterschiedlicher Größenordnung sowie von Achsen zwischen diesen Zentren, die als Kristallisationsorte für gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung wirken.
3. Die pauschale gegensätzliche Darstellung von Stadt und ländlichen Räumen ist sachlich falsch und entspricht nicht der Lebenswirklichkeit in Bayern. Stadt und Land sind seit jeher mannigfaltig verflochten, Entwicklungen waren nie isoliert inselartig, sondern stets das Ergebnis wechselseitiger Austauschprozesse. So besteht heute eine flächenhafte Verflechtung der kleinen Gemeinden mit ihren jeweiligen zentralen Orten (z.B. Mittelzentren) und über diese mit den Oberzentren. Die Möglichkeiten moderner Mobilität haben entfernungsmäßige, geografische, wirtschaftliche, kulturelle Grenzen verschoben, ja aufgelöst. Die Metropolregion ist als großräumiger Kooperationsraum eine Antwort auf diese Veränderungen. In der Konkurrenz um öffentliche Fördermittel sollten daher die Kriterien der Strukturschwäche und der sich daraus ergebenden besonderen Belastung zugrunde gelegt werden. Strukturpolitik soll dort ansetzen, wo sie notwendig ist - ob in der Stadt oder auf dem Land.
4. Ländliche Räume haben unterschiedlichste Kompetenzen. Dazu gehören ihre Funktionen als Wohn- und Wirtschaftsstandorte sowie als Natur-, Erholungs- und Freizeiträume. Diese Kompetenzen und die Funktionsfähigkeit örtlicher Infrastrukturen
nachhaltig zu entwickeln, ist auch Aufgabe der Verantwortungsgemeinschaft Metropolregion. Eine der wesentlichen „weichen“ Standortqualitäten der EMN ist die hohe Lebensqualität und ihre Verwurzelung in Tradition und Geschichte. Bodenständige Kultur, kulinarische Lebensart und traditionelle Veranstaltungen sind in den ländlichen Räumen und ihren Zentren weit tiefer verwurzelt als in urbanen Gebieten.
5. Unsere Metropolregion kann keine Wunder wirken, aber sie versteht sich als regionale Verantwortungsgemeinschaft. Sie bietet für die in ihr zusammengeschlossenen Städte und Landkreise neue Entwicklungschancen, die über die klassische Struktur- und Regionalpolitik hinausgehen. „Stärken stärken“ bedeutet für die ländlichen Räume, dass ihre Strukturen durch die enge Vernetzung mit städtischen Räumen gestärkt werden.
6. Vor diesem Hintergrund wird sich die EMN u. a. folgender Handlungsfelder besonders annehmen:
a) Die EMN wird gemeinsam mit bestehenden Initiativen das Handlungsfeld regionale Wirtschaftskreisläufe und regionale Produkte/Spezialitäten als Marketinginstrument und zur Stärkung der innerregionalen Verflechtung intensiv bearbeiten.
b) Die EMN wird im Handlungsfeld Tourismus ihre Aktivitäten weiter ausbauen. Dabei geht es im Binnentourismus um die Bindung der Kaufkraft in der Region. Zur Gewinnung neuer auswärtiger Touristen sollen die Highlights in der Gesamtregion stärker gemeinsam profiliert werden.
c) Eine gute verkehrliche Vernetzung in der Region ist Grundvoraussetzung für das Ausschöpfen der vorhandenen Potenziale. Die weitere Verbesserung der Mobilität durch den Ausbau des VGN und die Optimierung der Regionalverkehre ist deshalb im Fokus der EMN. Gleiches gilt für Autobahnen und Bundesstraßen.
d) Bei der Clusterpolitik wird die EMN darauf achten, dass Stärken und strukturelle Besonderheiten in ländlichen Räumen besondere Berücksichtigung finden. Zu beachten sind hierbei u. a. die Kompetenzfelder Energie, Automotive, Neue Materialien, Lebensmittel und Ernährung und ein hoher Besatz an kleinen und
mittelständischen Unternehmen.
e) Die EMN weist besondere Kompetenzen in der europäischen und interkulturellen
Zusammenarbeit auf. Dies gilt in besonderem Maß für die Landkreise und Städte in
Grenzlage. Für die Gateway-Funktion der Metropolregion sind diese Kompetenzen
besonders zu aktivieren und inwertzusetzen.